Inklusive Bauzeit ab 2025

Das Projekt „Inklusive Bauzeit 2025“ verbindet die praktische Arbeit während der Bauzeit mit der Frage, wie Inklusion von Anfang an Teil pädagogischen Handelns werden kann. Studierende gestalten Begegnungen zwischen Schüler*innen beider Schulen und sammeln dabei Erfahrungen im gemeinsamen Lernen und Arbeiten.

Die Erfahrungen werden gemeinsam reflektiert und im Rahmen einer wissenschaftlich begleiteten Praxisforschung ausgewertet. So stärkt das Projekt die Entwicklung der eigenen Lehrerpersönlichkeit und erweitert die pädagogischen Kompetenzen der Studierenden. Zugleich trägt es dazu bei, Inklusion nachhaltig in der Lehrerbildung und in der pädagogischen Praxis zu verankern.

Inklusion durch gemeinsames Arbeiten erleben

Wie entsteht ein Miteinander, in dem Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen selbstverständlich zusammenarbeiten? Bei der inklusiven Bauzeit 2025 gingen Studierende des Waldorf Instituts Witten Annen gemeinsam mit Schüler*innen der Blote-Vogel-Schule und der Christopherus-Schule dieser Frage praktisch nach. Drei Wochen lang arbeiteten sie in verschiedenen Gruppen an Aufgaben rund um den Campus. Dabei entstanden Begegnungen, die über das gemeinsame Arbeiten hinausgingen. Die Erfahrungen zeigen: Inklusion wird besonders dort lebendig, wo Menschen gemeinsam etwas gestalten und sich dabei als Einzelne begegnen können.

Die eigene Lehrerpersönlichkeit entwickeln

Die Bauzeit bietet Studierenden die Möglichkeit, sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiterzuentwickeln. In der inklusiven Bauzeit waren Selbstorganisation, Teamfähigkeit, Kommunikation und der Umgang mit Konflikten besonders gefragt. Die Zusammenarbeit mit Schüler*innen unterschiedlicher Voraussetzungen eröffnete neue Perspektiven und ließ anfängliche Unsicherheiten bei vielen Beteiligten in Vertrauen und persönliche Begegnungen übergehen. So wurde die Bauzeit zu einem Erfahrungsraum, in dem wichtige Grundlagen für die spätere pädagogische Arbeit wachsen konnten.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Die handwerklich-praktische Arbeit bildet einen wesentlichen Bestandteil der Bauzeit. In gemeinsamen Projekten planen, gestalten und bewältigen die Beteiligten konkrete Aufgaben. Dabei werden fachliche, organisatorische und soziale Fähigkeiten gleichermaßen gefordert. Das inklusive Setting erweiterte diese Erfahrungen um die Frage, wie unterschiedliche Fähigkeiten und Bedürfnisse in die gemeinsame Arbeit einbezogen werden können. Die Erfahrung zeigt, dass überschaubare Arbeitsgruppen und konkrete gemeinsame Aufgaben gute Voraussetzungen dafür schaffen, individuelle Stärken wahrzunehmen und voneinander zu lernen.

Praxis erforschen und Erfahrungen reflektieren

Die inklusive Bauzeit 2025 wurde wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Studierende des dritten Studienjahres übernahmen dabei Aufgaben der Forschung und Evaluation. Sie befragten Beteiligte, dokumentierten Beobachtungen und reflektierten die Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven. Auf diese Weise wurde die Bauzeit auch zu einem Lernfeld wissenschaftlicher Praxis: Die Studierenden untersuchten nicht nur, was gelungen war und wo Herausforderungen lagen, sondern setzten sich systematisch mit der eigenen pädagogischen Praxis auseinander. Theorie und praktische Erfahrung ergänzten sich dabei wechselseitig.

„Lisa, komm, lass uns die Welt beforschen.“
Ein Schüler der Christopherus-Schule Bochum

„Ich bin unendlich dankbar, dass ihr das Inklusive Projekt ins Leben gerufen habt. Für mich fühlt es sich so an, dass die Christopherus-Schüler uns mehr ins Herz bringen.“
Eine Studierende des Waldorf Institut Witten

„Da braucht es nicht mehr die Worte und die Kommunikation. Ja, da reicht eine Schubkarre.“
Eine Lehrerin der Blote Vogel Schule

„Am meisten beeindruckt hat mich, dass die verschiedenen Schülergruppen ganz ohne künstliches Heranführen ihren Weg zueinander gefunden haben; innerhalb von nur vier Tagen.“
Eine Dozentin des Waldorf Institut Witten

„Ich bin unendlich dankbar, dass ihr das Inklusive Projekt ins Leben gerufen habt. Für mich fühlt es sich so an, dass die Christopherus-Schüler uns mehr ins Herz bringen“
Eine Studentin des Waldorf Institut Witten

„Ich hatte Sorge, dass es schwer ist mit den Schülern der anderen Schule [der Christopherus Schule] zu kommunizieren. Es war aber überraschend einfach.“
Eine Schülerin der Blote Vogel Schule

„Wir hoffen, dass auch zum nächsten Studienbeginn wieder eine inklusive Bauzeit stattfinden kann, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass alle davon profitieren.“
Studierende der Projektgruppe

Begegnung verändert Perspektiven

gelungener Einstieg ins Studium: 94,9 %

soziales Miteinander war harmonisch: 92,3%

Die Rückmeldungen der Beteiligten zeigen, wie bereichernd das gemeinsame Arbeiten erlebt wurde. 94,9 Prozent der befragten Studierenden (n=39) bewerteten die Bauzeit als gelungenen Einstieg ins Studium; 92,3 Prozent beschrieben das soziale Miteinander als harmonisch. Viele berichteten von neuen Erfahrungen, persönlichen Entwicklungsschritten und Begegnungen, die bestehende Vorstellungen infrage stellten. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Inklusion nicht allein durch Konzepte entsteht. Sie braucht Gelegenheiten, in denen Menschen einander begegnen, gemeinsam tätig werden und Unterschiede als Teil des Miteinanders erfahren können.

Inklusion weiterdenken und gemeinsam gestalten

Die Erfahrungen der inklusiven Bauzeit ermutigen dazu, diesen Weg weiterzugehen. Zugleich wurde deutlich, wie wichtig klare Absprachen, transparente Aufgaben und eine gute Begleitung für das Gelingen gemeinsamer Projekte sind. Die Ergebnisse der Evaluation bieten wertvolle Anregungen, um die Bauzeit weiterzuentwickeln und Inklusion langfristig in der Lehrerbildung zu verankern. Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen gemeinsames Lernen und Arbeiten selbstverständlich werden und alle Beteiligten ihre Fähigkeiten einbringen und weiterentwickeln können.

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