Die Musik in der Waldorfschule

In der Waldorfpädagogik bewährt sich ein differenziertes Konzept, das in einem anthropologisch und menschenkundlich fundierten Musikunterricht alle Klassen- und Altersstufen umfasst.

An erster Stelle stehen in diesem Konzept die sich entwickelnden, musikbezogenen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen von der ersten bis zur letzten Klasse ihrer schulischen Biographie. Die im digitalen Zeitalter besonders schulungsbedürftigen Sinne, die Wahrnehmungsfähigkeiten der jungen Menschen werden mit musikalischen Kompetenzen verbunden und in Nachbarschaft zu Handwerk und Instrumentenbau, Bildender Kunst, Schauspiel gepflegt.

Was ist das Besondere am Studiengang Schulmusik?


Musik und das Musizieren selbst stehen im Mittelpunkt des musikalischen Lernens. Das Spiel der Kinder wird geschätzt und einbezogen; praktisches Tun und „Erfahren“, Erspüren und Erhören, individuelles Tun und Erleben, all dies erhält Gewicht und produktive Bedeutung. Das verbreitete, am Ergebnis orientierte Stoffdenken wird reduziert. Leistungsdruck oder Lebensangst wird mehrdimensional entgegengesteuert. Gefördert werden ästhetische Erfahrung und künstlerische Formkräfte; Waldorf-Schulmusik versteht sich als handlungsorientiert, prozesshaft, offen und lebendig. Wissen wird weniger in fertigen Formaten vorgegeben, vielmehr darf es von und mit allen Auszubildenden dynamisch entdeckt werden. Lehrpersonen begleiten Schüler*innen dabei auf dem Weg zu ihrer Selbstentfaltung.

Das Erleben der Schönheit von Kunst schließt gerade in den oberen Klassen Exaktheit, nachfolgende Reflexion und Analyse von Zusammenhängen keineswegs aus, doch werden Gefühlsleben bzw. emotionale Intelligenz dezidiert einbezogen und genutzt; darüber hinaus geht noch die anthroposophische Reflexion und Differenzierung von Verstand, Gemüt und Bewusstsein.

Waldorfpädagogik ist geistigen und kulturellen Traditionen der Menschheit verpflichtet. Dabei wird bewusst, dass lebendige Tradition immer wieder neu zu schaffen ist. Die Achtsamkeit der eigenen Erfahrung erhält Vorrang gegenüber theoretischer Zuspitzung oder vorschneller Verallgemeinerung – auch in diesem Sinne knüpfen die Inhalte unseres Schulmusikstudiums an Autoren wie Goethe und Steiner u.v.a. an.

Geschickte Hände begünstigen bewegliches Denken und umgekehrt! Der immer wieder neu zu weckende Sinn für Musik und Künste wird von Analyse, Stoff- und Ergebnisdenken wenig eingeengt; angestrebt werden Prozessorientierung und Lebenswärme in musikpädagogischen Vorgängen. Der Rhythmus / das Rhythmische dient als Lehrmeister auf zeitlich unterschiedlichen Ebenen. Den subtileren Prinzipien der Gestaltung kommt im Musikunterricht ebenso hohe Bedeutung zu wie der Gemeinschaftsbildung – des erwünscht Individuellen – im Sozialen. Lehrkräfte und Schüler*innen spiegeln und bereichern einander wechselweise.

„Im Sinne der seit Mitte der 1970er Jahre erhobenen Forderung nach einem handlungsorientierten Musikunterricht befindet sich das Wittener Ausbildungskonzept an der Spitze der gegenwärtigen musikdidaktischen Entwicklung.“

(Prof. Dr. Mechthild von Schoenebeck, TU Dortmund, 2013).

Mehr Infos zum postgraduierten Studiengang Schulmusik

Schwerpunkte

Audiopädie: Zugrunde liegen die Forschung und Erfahrung, dass körperliche, seelische und soziale Erfahrungsräume der Kinder ab dem 7./8. Lebensjahr durch Bewegen, Klingen und entstehenden gemeinsamen Zusammenklang erkundet und belebt werden können. Klang, Klangfarben und Rhythmen werden zur unmittelbaren Erfahrungsgrundlage vor dem Wissen und Denken über Musik (Prof. Dr. Dr. W. Gruhns Geleitwort zu „Hörwege entdecken“, Edition Zwischentöne.)

Schulbezogene Instrumentalfertigkeiten: Klavier, Flöten, akkordisches Gitarrenspiel, Percussion u.a.

Improvisation: Sinn erschließendes Tun im augenblicklich Erklingenden bereichert alle Altersstufen. Bereits kleine Kinder können mit ihrem Körper und einfachen Idiophonen improvisatorisch umgehen. Körpergefühl, Rhythmik und Bodypercussion ziehen sich durch den Musikunterricht aller Altersstufen und bilden eine Grundlage für spätere, freitonale Improvisation mit Instrumenten. Improvisationserfahrung fließt in der Oberstufe zusammen mit Reflexion, erkennendem Verstehen und musikalischem Wissen.

Phänomenologische Zugänge: Wie erscheint Musik im Bewusstsein? Wie erlebe ich Raum, Zeit und Musik? Warum berührt mich die eine Art von Musik, eine andere aber nicht? Was spricht eine bestimmte Musik im Menschen, im Ich und im Du, an? Erkenntnis wird erheblich bereichert durch R. Steiners Erschließung der 12 Sinne. So können Musik Lehrende die klingenden Phänomene mit Schülerinnen und Schülern sicherer erörtern sowie vertiefendes Hören schulen.

Menschenbild: Anthropologie wird ergänzt durch phänomenologisch orientierte Entwicklungspsychologie und Elemente der Geistesgeschichte sowie Anthroposophie, insbesondere R. Steiners pädagogisch fokussierte Menschenkunde.

Stilrichtungen: Alle Musikrichtungen, von „Alter Musik“ bis zur zeitgenössischen Musik, von der Musik Indiens und Ostasiens, der Folklore und der Rockmusik, werden innovativ in ihre schulpraktische Realisierbarkeit einbezogen.

Integral: Das Konzept unserer dualen Musiklehrerausbildung umfasst alle Klassenstufen. Ziel ist es, als Musiklehrer*in die Entwicklung des Kindes vom Schulbeginn bis zum Verlassen der Schule als Ganzes im Bewusstsein zu haben und Musikunterricht dementsprechend auszurichten.

Allgemeine Voraussetzungen

Voraussetzung für eine Immatrikulation sind solide Grundlagen im Klavierspiel, Musiktheorie und Gesang, musikalische Vielseitigkeit sowie die erkennbare Eignung zur pädagogischen Lebensaufgabe; Interesse an Waldorfpädagogik! In musiktheoretischen Fächern wie Gehörbildung, Tonsatz, Musikgeschichte erwarten wir hochschulübliches Niveau, ferner Eignung zur Chor- und Ensembleleitung.

Musikhochschulniveau im Zweitfach Klavier ist wünschenswert, kann allerdings auch in Eigeninitiative nachgeholt werden.

Bedingungen für die Aufnahme

Musiker*innen der Fächer Orchester, Klavier, Gesang, Kirchenmusik, Dirigieren, Komposition, Tonsatz, Rhythmik, Jazz wie auch Instrumentalpädagog*innen mit Bachelor, Master oder staatlichem Diplom bzw. Staatsexamen: In erster Linie sind Persönlichkeiten angesprochen, die ein Studium als Musiker*in abgeschlossen haben, welches sie dazu berechtigt, als sogenannte Quereinsteiger*innen eine Unterrichtsgenehmigung zu bekommen. Da Voraussetzungen und Verfahren zum Erlangen einer Unterrichtsgenehmigung in den Bundesländern unterschiedlich geregelt sind, wird in einer individuellen Studienberatung darüber aufgeklärt. Die Zugangsvoraussetzungen werden durch Vorsingen, Instrumentalvorspiel und unter Berücksichtigung der eingereichten Unterlagen festgestellt. Dies und ein Aufnahmegespräch führt zu einer Aufnahme ins Studium.

Abschluss

Das Studium wird optional in Kooperation mit der Hogeschool Leiden/NL Opleiding Docent Muziek angeboten. Das duale Ausbildungskonzept baut auch dort auf einer engen Verzahnung von Studium und Schule, Theorie und Praxis auf und profitiert dabei von der bewährten Kooperation. So kann nach erfolgreich absolviertem Studium eine Doppelqualifikation vergeben werden: der Grad des „Bachelor of Music in Education“ (BAMusEd) der Hogeschool Leiden/NL sowie das „Diplom zum/zur Musiklehrer*in an Waldorfschulen“ des Waldorf Instituts Witten Annen.

Die Möglichkeit zum Schulmusik-Aufbaustudium mit Master-Abschluss ist als 3. Studienjahr in Kooperation mit einer anderen Institution in Planung.

Bewerbung

Informationen zum Bewerbungsverfahren findest du hier.

Studiengebühren

Die Einschreibegebühr beträgt einmalig 100 €, die bei Aufnahme fällig wird und nicht rückerstattet werden kann. Die Studiengebühren betragen 2.000 € pro Jahr. Monatliche Ratenzahlungen sind möglich.

Förderung

Unser Studienfonds unterstützt Studierende nach Maßgabe seiner Vergabeordnung. Hier kannst du Kontakt zu den Treuhänder*innen des Studienfonds aufnehmen – schreibe einfach eine E-Mail an studienfonds@waldorfinstitut.de

Du hast Fragen zu unserem Studiengang Schulmusik?

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