Rosmarie Basold, die Begründerin und langjährige Leiterin der Eurythmieausbildung am Waldorf Institut in Witten, ist am 9. Februar dieses Jahres in Dortmund verstorben.

Sie blickt auf ein 88-jähriges Leben zurück. Ihre Geburt war 1933 im Thurgau, wo sie auf dem ersten biologisch-dynamisch bewirtschafteten Hof der Schweiz aufwuchs.  Wenn sie von dieser Kindheit im Kreis der drei Geschwister erzählte, so hatte das einen märchenhaften Anklang. Und aus dieser Zeit blieb ihr eine lebenslange Verbundenheit mit dem Impuls der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Bereits mit 18 Jahren begann sie das Eurythmiestudium bei Lea von der Pals am Goetheanum und wurde nach Beendigung der dreieinhalbjährigen Ausbildung sogleich Mitglied des Eurythmieensembles in Dornach. Zeit ihres Lebens fühlte sie sich der Eurythmie als Bühnenkunst verpflichtet. In der Mitte ihres Lebens entschloss sie sich, Heileurythmie in Wien zu studieren, um mit Dr. Anselm Basold, den sie 1961 mit 28 Jahren geheiratet hatte, am Aufbau des gerade entstehenden Gemeinschaftskrankenhauses in Herdecke an der Ruhr mitzuarbeiten. Ein großer biographischer und beruflicher Umbruch, verbunden mit einem Leben am Rande des Ruhrgebietes in Deutschland.

Das Institut für Waldorfpädagogik Annener Berg (so der damalige Name), im Jahre 1973 begründet, entwickelte sich in enger Zusammenarbeit mit dem 1969 eröffneten Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke, mit Gerhard Kienle, den Spiritus rector, und Anselm Basold, der den wirtschaftlichen und technischen Sachverstand einbrachte, ohne den das Projekt nicht gelungen wäre. Beide begleiteten interessiert und hilfsbereit das erste Jahr unseres Waldorf-Instituts im Schloss Mallinckrodt bei Wetter, dem Gästehaus des Krankenhauses. Nach dem Umzug des Instituts auf den Annener Berg im Herbst 1974 organisierte Anselm Basold dort die notwendigen Umbaumaßnahmen und wurde bald darauf der erste Geschäftsführer des Hauses. Rosmarie Basold, die den Gründern des Instituts schon aus der anthroposophischen Studentenarbeit der 50er Jahre bekannt war, ließ sich daraufhin auf ein gewagtes Unternehmen ein: den Aufbau einer Eurythmieschule in enger Symbiose mit einer nach den Ideen Rudolf Steiners konzipierten Ausbildung zum Klassenlehrer an Waldorfschulen.

1975 wurde dann, auf Wunsch der Kollegen und Studierenden, die Eurythmieausbildung in Witten gegründet. Besonderheit: ein künstlerisches Studium, völlig integriert in die Kassenlehrerausbildung. Jeder Eurythmiestudent, jede Eurythmiestudentin erwarb zugleich das Klassenlehrerdiplom bei Abschluss der Ausbildung nach fünf Jahren, was auf durchaus spürbare  –  zum Teil energische – Widerstände sowohl in der eurythmischen, wie in der waldorfpädagogischen Welt in dieser Zeit stieß. Nachdem sich dieser Studiengang über viele Jahre sehr erfolgreich etabliert hatte, wurde er dann später als beispielhaftes Modell immer wieder hervorgehoben.

Das neue Fach verdankte seine Blüte den günstigen Zeitumständen, vor allem aber dem innigen und anhaltenden Interesse Rosmarie Basolds für ihre Schülerinnen und Schüler, für deren Nöte in kritischen Lebenslagen, ihre besonderen Begabungen, ihre Träume und Hoffnungen. Bis in ihre letzten Jahre wusste Rosmarie Basold über die Schicksale der Absolventen ihres Fachs Bescheid wie niemand sonst. Von vielen wurde sie um Rat gefragt und gern besucht.

Damit war Rosmarie Basold auf allen drei großen eurythmischen Berufsfeldern tätig geworden: auf dem der Bühne, der Heileurythmie und der Pädagogik. Der nun entstandenen Eurythmieausbildung widmete sie ihre ganze Kraft und sie war bis 2001 als Leiterin der Ausbildung eine tragende Mitarbeiterin des Instituts.

2003 entwickelte sie noch für zwei Kurse eine eigene berufsbegleitende Heileurythmie­ausbildung in Witten. Kontinuierlich nahm sie auch noch im fortgeschrittenen Ruhestand, als sie kaum noch laufen konnte, an den wöchentlichen Lehrerkonferenzen des Instituts teil.

Mit Freude begleitete sie die von ihrem Schüler und Mitarbeiter Arnold Pröll organisierten großen Eurythmie-Jugendtagungen mit Hunderten von Teilnehmern aus aller Welt, die seit 2004 alljährlich zu Himmelfahrt in der benachbarten Blote Vogel Schule stattfanden. Wir waren stolz darauf, bei den regelmäßigen „Betriebsversammlungen“ unseres Instituts zu erleben, wie Eurythmistinnen im Berufsschleier mit ihren Kommilitonen aus der Holzwerkstatt oder aus der Gärtnerei zusammensaßen und über die Finanzberichte der „Treuhänder“ unserer studentischen Selbstverwaltung diskutierten. Erst im Herbst letzten Jahres löste sie ihren Hausstand in Witten auf, um in das Hermann-Keiner-Haus in Dortmund zu ziehen.

Rosmarie Basold war, das muss man sagen, eine schöne Frau, mit einer ihr eigenen, starken künstlerischen Ausdruckskraft. Empfindungsstärke, Ausstrahlung, Formkraft und Glanz waren ihr eigen. An der Eurythmie hat sie bis zuletzt weiter gearbeitet, um das, was sie suchte  – den selbstgestalteten eurythmischen Raum – zu schaffen. Darin war sie groß und sie hat auf viele Menschen eine große Wirkung ausgeübt. Unvergesslich bleibt uns die fröhliche, zuversichtliche Lebensstimmung, die sie um sich verbreitete. Und ihr Humor.

Witten, im Februar 2022
Johannes Kiersch, Arnold Pröll, Alexander Kubitza


Gedenkfeier am 26. März

Am 26. März 2022 um 17 Uhr findet am Institut eine Gedenkfeier für Rosmarie Basold statt, zu der alle herzlich eingeladen sind. Weitere Informationen finden Sie hier.


Fotoserie „Einblicke in die Eurythmie“

Die Fotoserie „Einblicke in die Eurythmie“ von Fotograf Mark Wohlrab finden Sie hier.

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